Sich selbst kleiner machen, um den Unsicherheiten anderer gerecht zu werden?

Ich hatte neulich ein wirklich interessantes Gespräch mit einem Freund. Er sagte mir, es sei ihm unangenehm, wenn ich eine andere Seite von mir zeige – eine, die mit einem anderen Lebensstil verbunden sei. Einer, der etwas ‚bougier‘ ist. Ich war im Urlaub, habe Zeit mit einem anderen Freundeskreis verbracht, und es ist ihm schwer gefallen, diese Version von mir zu sehen.

Ich habe mich sofort dabei ertappt, wie ich in meinem Kopf Ausreden gesucht und versucht habe, diesen Teil meines Lebens kleiner erscheinen zu lassen, fast so, als müsste ich mich rechtfertigen. Aber warum? Es ist ein Teil von mir. Es ist ein Teil meines Lebens, den ich geschaffen habe. Ein Leben, das ich jahrelang kaum geteilt habe, weil ich Angst hatte, dass die Leute ihn – und dann eben auch mich – ablehnen würden.

Während meine Gedanken sich überschlugen, habe ich mich gestoppt. Anstatt das zu tun, was ich sonst immer getan habe – mich kleiner zu machen –, stellte ich ihm eine einfache Frage:

„Warum fühlst du dich so unwohl damit?“

Seine Antwort war ehrlich, und hat sofort die Schwere rausgenommen, die im Raum stand. Er meinte: „Weil es mich unsicher macht. Ich habe Angst, dass du jetzt nur noch so bist.“

Darauf hin habe ich ihm gesagt, was ich mir wünschen würde, dass es mehr Menschen verstehen: Ich bin eben all diese Menschen und nicht nur eine Version (nicht auf "bipolare" Weise haha). Ich bin das schicke High-Heel-Mädchen, das schöne Hotels, schicke Abendessen und tolle Kleider liebt. Aber ich bin eben auch die Person, die glücklich einen Monat lang denselben Bikini trägt, barfuß herumläuft und jeden Tag surft.

Ich liebe es, laut zu sein, und ich liebe die Stille. Ich liebe es, soziale Kontakte zu pflegen, und ich liebe es auch, einfach tagelang zu verschwinden. Ich liebe die Stadt, und ich brauche die Natur. Ich liebe es, hart zu trainieren und gesund zu leben, und manchmal liebe ich es, feiern zu gehen und komplett abzuschalten. Ich bin mental stark – bis ich es mal nicht mehr bin. Ich lache viel, aber weine auch viel. Ich wechsle mein Outfit zehnmal am Tag, weil ich gerne mit verschiedenen Stilen experimentiere.

Ich liebe all das. Denn all das bin ich.

Was ich nicht mehr liebe, ist, mich dafür entschuldigen zu müssen. Mich kleiner zu machen. Teile von dem, was ich bin, zu verstecken, damit sich andere Menschen sicherer fühlen. 

Niemand von uns ist nur die eine Person, auch wenn soziale Medien uns oft vom Gegenteil überzeugen wollen. Wir ändern uns ständig. Wir bestehen aus Widersprüchen, Talenten, Leidenschaften, Bedürfnissen, Träumen und eben verschiedenen Versionen von uns selbst.

Ich glaube, viele von uns haben einfach zu viel Angst, vollständig sie selbst zu sein und all das zu zeigen. Mir geht es da nicht anders. Vielleicht auch, weil es schwer ist, manche Seiten selbst voll zu akzeptiere,n aus einer Vielzahl an Gründen. Und die Wahrheit ist, es kommt nicht darauf an, ob sich jemand mit einer Version unwohl fühlt. Das ist sein Unsicherheit – nicht deine.

Anstatt ihre eigenen Unsicherheiten zuzugeben, ziehen es manche lieber vor, einem anderen das Gefühl zu geben, „zu viel“ zu sein. Sie  sagen Dinge wie, du hättest dich zum Schlechteren verändert, obwohl du in Wirklichkeit nur mehr du selbst geworden bist.

Und ehrlich gesagt, das muss sich ändern.

Manchmal fühlt es sich an, als würde die Welt ihre Farben verlieren. Menschen verlieren ihre Individualität. Wir werden langsam zu einer Armee von Menschen, die gleich aussehen, gleich denken, sich gleich verhalten und verzweifelt versuchen, dazuzugehören.

Wir verlieren unser Strahlen. Unsere Eigenheiten. Unseren Mut.

Es ist schwer da auszubrechen, weil es sich zuerst unangenehm anfühlt. Es fühlt sich unsicher an. Aber stell dir vor, wenn das alle machen würden. Stell dir vor, wie viel einfacher es für alle anderen wäre, genau das zu tun. 

Also, wenn du fühlst was ich hier schreibe, bitte versprich mir eines:

Verdammt noch mal, verlass deine Komfortzone.

Sei das wunderschön komplexe Individuum, das du sein sollst.

Du sollst anders sein.

Du sollst strahlen.

Du darfst Menschen damit nerven.

Du hast das Recht mit Menschen anzuecken, nur weil du nicht mehr in deren Geschichte passt, die sie über dich glauben. Das ist schlicht deren Problem, dass auch nur sie fixen können.

Die Art und Weise, wie du authentisch lebst, kann mehr Menschen inspirieren, als du denkst. Während du da sitzt und an dir zweifelst, schaut dich jemand anderes zu und fragt sich, wie du den Mut hattest, so kompromisslos du selbst zu werden.

Also bitte – mach dich nie wieder kleiner. Lass die Leute hinter dir, die es nicht ertragen können, dich strahlen zu sehen. Das sind dann einfach nicht deine Leute. Die Richtigen werden dich finden, je heller du strahlst. 

Und was die Geschichte vom Anfang angeht?

Wir sind immer noch Freunde. Nachdem ich ihm erklärt habe, dass ich es leid bin, mich kleiner zu machen, es leid bin, Teile von mir zu verstecken, und dass ich mit all diesen verschiedenen Seiten immer noch ich bin, haben wir eine gemeinsame Basis gefunden.

Und ehrlich gesagt? Ich war auch etwas stolz auf mich, dass ich für das eingestanden bin, was ich bin. Ich bin auch dankbar, dass er ehrlich genug war, zuzugeben, dass seine anfängliche Reaktion sehr wenig mit mir zu tun hatte, sondern eben nur mit ihm. Am Ende wurde es zu einer heilenden Lektion in Sachen Grenzen, Ehrlichkeit und Selbstwert.

xx baj. 

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